Anschlagpunkte für PSA gegen Absturz: EN 795, Typen und Tragfähigkeit

Der beste Auffanggurt nützt nichts, wenn der Punkt, an dem er hängt, nicht hält. Ein Anschlagpunkt für persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) muss die Kraft eines Auffangvorgangs sicher aufnehmen – die DGUV Regel 112-198 setzt dafür 6 kN an. Dieser Beitrag erklärt, welche Arten von Anschlageinrichtungen es gibt, was DIN EN 795 regelt und woran du einen ungeeigneten Anschlagpunkt erkennst.

Auf einen Blick

  • 6 kN für eine Person: Das ist der Lastfall „Auffangen“. Für jede weitere Person kommt 1 kN dazu.
  • Gleiche Anforderung für alle Systeme: Auch für Rückhalte- und Positionierungssysteme gibt es keine schwächeren Anschlagpunkte.
  • Ungeeignet: offene Haken, freie Rohr- oder Trägerenden und Transportösen an Maschinen.
  • Möglichst über Kopf anschlagen und Pendelstürze vermeiden.
  • Mobile Anschlageinrichtungen nach DIN EN 795 sind selbst PSA – mit Baumusterprüfung und Kennzeichnung.

Anschlagpunkt-Check

Hake ab, was auf deinen Anschlagpunkt zutrifft:

Prüfpunkte nach DGUV Regel 112-198, Abschnitte 7.2 und 7.14. Der Check ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung noch den Tragfähigkeitsnachweis.

Was muss ein Anschlagpunkt aushalten?

6 kN für eine Person, plus 1 kN für jede weitere. Die Anforderungen an Anschlageinrichtungen beruhen laut DGUV Regel 112-198 generell auf dem Lastfall „Auffangen“ mit 6 kN. Wird ein Bauteil wie ein Stahlträger oder Betonbalken als Anschlagmöglichkeit genutzt, muss dessen Tragfähigkeit für diese Kraft nach den technischen Baubestimmungen nachgewiesen sein – einschließlich der Lasten, die bei der Rettung anfallen, etwa das Gewicht der aufgefangenen Person. Für jede weitere Person ist die Kraft um 1 kN zu erhöhen.

Wichtig: Für Rückhalte-, Positionierungs- oder Rettungssysteme gelten keine abweichenden Anforderungen. Die Regel begründet das mit der Verwechslungsgefahr – niemand soll sich versehentlich mit einem Auffangsystem an einen schwächeren Punkt hängen.

Welche Arten von Anschlageinrichtungen gibt es?

Mobile Anschlageinrichtungen, dauerhaft montierte Anschlageinrichtungen und geeignete Bauteile. Die Regel unterscheidet drei Gruppen:

Gruppe Beispiele Was gilt
Wieder entfernbar (mobil) Trägerklemme, Dreibein, Bandschlinge Anforderungen u. a. in DIN EN 795. Sie gelten als PSA: EU-Baumusterprüfung und Kennzeichnung nötig.
Dauerhaft am Bauwerk Ringösen, Seilsysteme, Schienensysteme Sicherheitstechnischer Nachweis einschließlich der Befestigung am Untergrund; Montage nach Herstellervorgabe dokumentiert.
Teile baulicher Anlagen Beton- und Holzbalken, Träger oder Rohre von Stahlkonstruktionen Nur wenn sich das System nicht lösen kann und die Tragfähigkeit nachgewiesen ist.

Auf geneigten Dächern können außerdem Einzeltritte nach DIN EN 516 und Sicherheitsdachhaken nach DIN EN 517 als Anschlageinrichtung dienen. Bei Dachhaken ist die Lastrichtung zu beachten: Typ A nimmt nur Zugkräfte in Richtung der Falllinie auf, Typ B auch entgegen und quer dazu.

Was bedeuten die Typen A bis E nach DIN EN 795?

Die Buchstaben bezeichnen die Bauart der Anschlageinrichtung. Die DGUV Regel 112-198 zeigt dazu diese Beispiele:

Typ Beispiel aus der DGUV Regel 112-198
A Nicht dauerhaft befestigte Anschlageinrichtung mit einem Anschlagpunkt
B Trägerklemme, Dreibein, Bandschlinge
C Horizontales Seil („LifeLine“)
D Schiene mit mobilem Anschlagpunkt
E Durch Eigengewicht gehaltene Anschlageinrichtung

Zu einzelnen Typen nennt die Regel Besonderheiten: Für Typ C und D müssen Baumusterprüfungen nach DIN EN 795 durchgeführt sein. Typ E hat Verwendungsbeschränkungen – die Auflagefläche darf höchstens 5 Grad geneigt sein, und Oberfläche (ausreichende Reibung) sowie Witterung (zum Beispiel Frost) spielen eine Rolle. Sollen mehrere Personen gleichzeitig an einer Anschlageinrichtung gesichert werden, sind zusätzlich die Anforderungen der DIN CEN/TS 16415 zu beachten.

Zubehör aus unserem Sortiment, um ein Auffangsystem mit einem Anschlagpunkt zu verbinden.

Bei Bandschlingen gilt: Je nach Anschlagart ist die Tragfähigkeit unterschiedlich – maßgeblich ist die Gebrauchsanleitung. Wird die Schlinge überstiegen, darf sich dadurch die Fallstrecke nicht vergrößern.

Woran erkenne ich einen ungeeigneten Anschlagpunkt?

Wenn sich das System lösen kann oder die Tragfähigkeit unklar ist. Ausdrücklich ungeeignet sind laut Regel:

  • offene Haken sowie freie Rohr- oder Trägerenden – das Auffangsystem kann abrutschen
  • Transportösen an Maschinen und Bauteilen – eine Vorschädigung durch den Transport lässt sich nicht ausschließen

Für Gerüste, Hubarbeitsbühnen und Windenergieanlagen gibt es eigene Informationen, die zusätzlich zu beachten sind.

Wo sollte der Anschlagpunkt liegen?

Möglichst oberhalb der Person und so, dass kein Pendelsturz entsteht. Liegt der Anschlagpunkt nicht über der Person, sondern in Standplatzebene, läuft die Ausrüstung bei einem Sturz über die Kante. Dafür müssen Höhensicherungsgeräte, mitlaufende Auffanggeräte und Verbindungsmittel ausgewählt werden, die dieser Beanspruchung standhalten.

Anschlagpunkt über der PersonAnschlagpunkt seitlich versetztgerader Sturz, kurze FallstreckePendelsturz, Anprall möglichPrinzipskizze, nicht maßstäblich – nach den Hinweisen der DGUV Regel 112-198, Abschnitt 7.2.1
Ein Pendelsturz vergrößert die Fallstrecke und kann zum Anprall an Bauteile führen.

Ein Pendelsturz kann laut Regel zum Versagen der Ausrüstung, zu nicht kalkulierbaren Auffangstrecken und zum Anprallen an Teile der Umgebung führen. Empfohlen werden deshalb statt einzelner Anschlagpunkte Anschlagkonstruktionen, die parallel zur Absturzkante verlaufen – etwa ein horizontales Seil oder eine Schiene. Wer dort ein Höhensicherungsgerät einhängen will, muss vorher prüfen, ob das Gerät für horizontale Seilführungen geeignet ist.

Wie viel Freiraum unter dem Standplatz nötig ist und an welche Öse des Gurtes das System gehört, erklärt der Beitrag PSAgA richtig benutzen mit Freiraum-Rechner.

Was gilt für fest installierte Anschlagpunkte auf Dächern?

Sie brauchen einen Nachweis und eine dokumentierte Montage. Für dauerhaft montierte Anschlageinrichtungen muss der sicherheitstechnische Nachweis die Befestigung am Untergrund einschließen. Die Montage sollte nach Herstellervorgaben erfolgen und dokumentiert sein (Errichterbescheinigung oder Einbauerklärung) – das ist die Grundlage für die spätere sachkundige Überprüfung. Die Regel empfiehlt, das Montagedatum auf der Anschlageinrichtung anzubringen. Planungshilfen enthält die DGUV Information 201-056 „Planungsgrundlagen von Anschlageinrichtungen auf Dächern“.

Bei auflastgehaltenen Systemen, etwa unter dem Substrat eines Gründachs, müssen Auflast, Untergrund, Neigung und Witterungsbedingungen am Einbauort mit den Bedingungen aus dem Nachweis übereinstimmen.

Die Pflichten rund um Prüfung und Rettung fasst unser Ratgeber PSA gegen Absturz: Prüfung, Checkliste und Pflichten zusammen. Ab welcher Höhe überhaupt gesichert werden muss, steht im Beitrag Ab welcher Höhe ist PSA gegen Absturz nötig?

Häufige Fragen

Wie viel muss ein Anschlagpunkt für PSA gegen Absturz halten?

Die DGUV Regel 112-198 setzt für den Lastfall Auffangen 6 kN für eine Person an. Für jede weitere Person ist die Kraft um 1 kN zu erhöhen.

Darf ich mich an einem Stahlträger anschlagen?

Ja, wenn sich das Auffangsystem nicht vom Träger lösen kann und die Tragfähigkeit nachgewiesen ist. Freie Trägerenden und offene Haken sind ungeeignet.

Sind Transportösen an Maschinen als Anschlagpunkt geeignet?

Nein. Transportösen an Maschinen und Bauteilen sind nicht geeignet, weil eine Vorschädigung durch den Transport nicht ausgeschlossen werden kann.

Was regelt die DIN EN 795?

Sie enthält Anforderungen an Anschlageinrichtungen, die wieder vom Bauwerk entfernt werden können, etwa Trägerklemmen, Dreibeine und Bandschlingen. Solche Anschlageinrichtungen gelten als PSA und brauchen Baumusterprüfung und Kennzeichnung.

Dürfen sich zwei Personen an einem Anschlagpunkt sichern?

Nur wenn die Anschlageinrichtung dafür vorgesehen ist. Für die gleichzeitige Benutzung durch mehrere Personen sind zusätzlich die Anforderungen der DIN CEN/TS 16415 zu beachten.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Gefährdungsbeurteilung und keinen Tragfähigkeitsnachweis. Ob ein Bauteil als Anschlagpunkt geeignet ist, muss im Einzelfall fachkundig beurteilt werden.

Auffanggurte, Verbindungsmittel, Höhensicherungsgeräte und Sets findest du in der Kategorie PSA gegen Absturz. Unsicher, welches System zu deinem Anschlagpunkt passt? Schreib an info@seculiq.de – Tom Zentgraf ist Fachkraft für Arbeitssicherheit.

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