Gehörschutz nach EN 352: SNR, Kapsel oder Stöpsel – was ab wann Pflicht ist

Lärm schädigt das Gehör schleichend und dauerhaft – oft merkt man es erst, wenn es zu spät ist. Wer im Betrieb regelmäßig lauten Maschinen, Werkzeugen oder Baustellenlärm ausgesetzt ist, braucht Gehörschutz. Doch welcher Schutz passt, was bedeutet der SNR-Wert und ab wann ist das Tragen Pflicht? Dieser Ratgeber richtet sich an Handwerker, die schnell den passenden Gehörschutz finden wollen, und an Sicherheitsbeauftragte, die Normen und Pflichten benötigen.

Auf einen Blick – für die Praxis

  • Ab 80 dB(A) Tages-Lärmexpositionspegel muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen.
  • Ab 85 dB(A) ist das Tragen Pflicht, und Lärmbereiche müssen gekennzeichnet werden.
  • Kapselgehörschutz: schnell auf- und abgesetzt, gut bei wechselnden Einsätzen und kurzen Lärmphasen.
  • Gehörschutzstöpsel: klein, angenehm bei langer Tragedauer, auch unter Helm und Schutzbrille, gut bei Wärme.
  • Mehr Dämmung ist nicht automatisch besser: Ein zu stark dämmender Gehörschutz isoliert von der Umgebung, Warnsignale und Zurufe werden überhört.

Was bedeutet der SNR-Wert?

Der SNR-Wert (Single Number Rating) gibt in Dezibel an, wie stark ein Gehörschutz den Lärm im Mittel dämmt. Er steht auf der Verpackung und in der Produktinformation, geprüft nach EN 352. Ein Gehörschutz mit SNR 23 dB (wie der INFIELD EAR PROTECTOR) senkt den Pegel rechnerisch um bis zu 23 dB. In der Praxis wird der Wert durch Passform, Tragedauer und Sitz beeinflusst und ist ein Laborwert.

Häufig werden zusätzlich die H-, M- und L-Werte angegeben. Sie zeigen die Dämmung bei hohen, mittleren und tiefen Frequenzen und helfen bei der genaueren Auswahl, wenn der Lärm überwiegend aus tiefen oder hohen Tönen besteht.

Welche Pegel sind richtig?

Ziel ist ein Pegel am Ohr, der sicher unter 85 dB(A) liegt, aber nicht zu weit darunter. Empfohlen wird in der Regel ein Restpegel am Ohr von etwa 70 bis 80 dB(A). Wer stärker dämmt, riskiert Überprotektion: Gespräche, Signaltöne und Maschinengeräusche werden nicht mehr wahrgenommen, was zu Unfällen führen kann.

Situation Geeigneter Gehörschutz
Kurze, wechselnde Lärmphasen (Werkstatt, Wartung) Kapselgehörschutz, schnell auf- und absetzbar
Ganztägiger Lärm, lange Tragedauer Gehörschutzstöpsel, leicht und druckfrei
Tragen mit Helm, Schutzbrille oder Atemmaske Stöpsel, oder Kapsel passend zur Kombination
Warme, staubige oder feuchte Umgebung Stöpsel (Kapseln können schwitzig werden)
Sehr hoher Lärm Hoch dämmender Gehörschutz, je nach Bedarf Kombination aus Stöpsel und Kapsel, abgestimmt in der Gefährdungsbeurteilung

Kapselgehörschutz oder Stöpsel?

Kapselgehörschutz (EN 352-1)

Kapseln liegen auf dem Kopf und decken die Ohren komplett ab. Vorteile: einfache Handhabung, richtiger Sitz ist leicht zu prüfen, mehrfach verwendbar, leicht zu erkennen. Nachteile: bei Hitze unangenehm, mit Brillenbügeln oder Bart kann die Dichtwirkung sinken.

Gehörschutzstöpsel (EN 352-2)

Stöpsel werden im Gehörgang getragen. Vorteile: klein, bequem, gut mit weiterer PSA kombinierbar. Nachteile: korrektes Einsetzen erfordert Übung, hygienisch saubere Hände sind nötig. Einwegstöpsel und wiederverwendbare Stöpsel sind erhältlich. In Betrieben mit häufigem Wechsel bieten sich Spender an, die jedem Mitarbeiter den Zugriff erleichtern.

Rechtliche Grundlagen

Maßgeblich ist die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Sie legt Auslösewerte fest:

  • Unterer Auslösewert 80 dB(A): Gehörschutz muss bereitgestellt werden, Beschäftigte haben Anspruch auf Vorsorge.
  • Oberer Auslösewert 85 dB(A): Tragepflicht, Kennzeichnung der Lärmbereiche, Lärmminderungsprogramm.

Die Auswahl erfolgt auf Basis der Gefährdungsbeurteilung. Gehörschutz gehört zur PSA-Kategorie III, da er vor irreversiblen Gesundheitsschäden schützt. Eine Unterweisung der Beschäftigten ist Pflicht. Ergänzend gilt der Grundsatz, dass Lärm zuerst an der Quelle zu mindern ist (technische und organisatorische Maßnahmen vor PSA).

Beispiele aus unserem Sortiment

  • Kapselgehörschutz: uvex K1 und uvex K20
  • Stöpsel: uvex dact-fit multi, INFIELD EAR PROTECTOR (SNR 23 dB, wiederverwendbar)
  • Spender und Zubehör: uvex Dispenser one2click, Magnetbefestigung, Nachfüllbox x-fit

Alle Modelle mit Dämmwerten: Kategorie Gehörschutz.

Häufige Fragen

Ab wann muss ich Gehörschutz tragen?

Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) besteht Tragepflicht. Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen.

Was bedeutet SNR bei Gehörschutz?

SNR (Single Number Rating) ist der einzahlige Dämmwert in Dezibel nach EN 352. Er gibt an, um wie viel Dezibel der Gehörschutz den Lärm im Mittel senkt.

Ist Kapselgehörschutz besser als Stöpsel?

Nicht grundsätzlich. Kapseln sind einfacher zu handhaben und schnell abgesetzt, Stöpsel sind bei langer Tragedauer, Hitze und in Kombination mit anderer PSA oft angenehmer. Entscheidend sind Passform, Dämmwert und konsequentes Tragen.

Kann Gehörschutz zu stark dämmen?

Ja. Zu hohe Dämmung führt zu Überprotektion: Warnsignale und Kommunikation gehen verloren. Ein Restpegel am Ohr von etwa 70 bis 80 dB(A) gilt als sinnvoll.

Welche Norm gilt für Gehörschutz?

Gehörschutz wird nach der Normenreihe EN 352 geprüft und ist PSA der Kategorie III nach Verordnung (EU) 2016/425.

Wo kann ich Gehörschutz kaufen?

Im Arbeitsschutz-Fachhandel und online. Der Seculiq Shop (seculiq-shop.de) bietet Kapselgehörschutz und Gehörschutzstöpsel von uvex und INFIELD mit Angabe der Dämmwerte auf der Produktseite.

Muss der Arbeitgeber den Gehörschutz zahlen?

Ja. Ist nach der Gefährdungsbeurteilung Gehörschutz erforderlich, muss der Arbeitgeber ihn kostenlos bereitstellen.

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