Anstoßkappe oder Schutzhelm? Unterschiede nach EN 812 und EN 397 – und welcher Kopfschutz wann reicht
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Die Frage kommt jeden Tag in Werkstätten, Lagern und auf Baustellen: Reicht eine Anstoßkappe – oder muss es ein Schutzhelm sein? Die kurze Antwort: Die Anstoßkappe schützt vor dem Anstoßen an harte, feststehende Gegenstände. Vor herabfallenden Gegenständen schützt sie nicht. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede nach der DGUV Regel 112-193 „Benutzung von Kopfschutz“ (Ausgabe Mai 2025) und hilft bei der Entscheidung.
Auf einen Blick
- Anstoßkappe (EN 812): schützt vor Verletzungen durch Anstoßen mit dem Kopf gegen harte, feststehende Gegenstände.
- Schutzhelm (EN 397): schützt vor allem vor herabfallenden Gegenständen und vor Anstoßen.
- Kein Ersatz: Anstoßkappen bieten keinen Schutz vor fallenden, kippenden oder wegfliegenden Gegenständen und vor sich bewegenden hängenden Lasten. Sie ersetzen deshalb keinen Schutzhelm.
- Entscheidend ist die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes, nicht der Preis oder die Optik.
- Nach einem starken Aufprall jeden Kopfschutz austauschen, auch ohne sichtbaren Schaden.
Was ist eine Anstoßkappe?
Eine Anstoßkappe ist ein Kopfschutz gegen das Anstoßen an harte, feststehende Gegenstände. Die DGUV Regel 112-193 beschreibt Industrie-Anstoßkappen nach DIN EN 812 als eine Art des Kopfschutzes, die Verletzungen verhindern soll, die entstehen, wenn man mit dem Kopf gegen harte, feststehende Gegenstände stößt – zum Beispiel gegen Rohre, Träger oder niedrige Decken.
Anstoßkappen sind für Umgebungstemperaturen von -10 °C bis +50 °C geprüft. Je nach optionaler Prüfung können sie auch für sehr niedrige Temperaturen (-20 °C oder -30 °C), für die kurzzeitige Einwirkung einer Flamme oder gegen einen kurzzeitigen unbeabsichtigten Kontakt mit spannungsführenden Leitungen bis 440 Volt Wechselspannung geeignet sein. Sie sehen oft wie ein Baseballcap aus, können aber auch eine glatte Kunststoffschale wie ein Helm haben. Damit sie sicher sitzen, müssen sie eine Vorrichtung zum Halt auf dem Kopf haben, etwa ein Nackenband oder einen Kinnriemen.
Was kann ein Schutzhelm?
Ein Industrieschutzhelm nach DIN EN 397 schützt den Kopf vor allem vor herabfallenden Gegenständen und vor Anstoßen. Die Regel nennt als Grundlage die in der Norm vorgegebene Stoßdämpfung und Durchdringungsfestigkeit. Optional können Helme zusätzlich geprüft sein auf sehr hohe oder sehr niedrige Temperaturen, elektrische Isolierung (bis 440 Volt Wechselspannung), Metallspritzer und seitliche Verformung (Quetschung).
Anstoßkappe oder Schutzhelm: der Vergleich
| Anstoßkappe | Industrieschutzhelm | |
|---|---|---|
| Norm | DIN EN 812 | DIN EN 397 |
| Schützt vor | Anstoßen an harte, feststehende Gegenstände | herabfallenden Gegenständen und Anstoßen |
| Schützt nicht vor | fallenden, kippenden oder wegfliegenden Gegenständen, hängenden Lasten in Bewegung | Einwirkungen mit größeren Kräften als in der Prüfung; der Schutz bleibt begrenzt |
| Mögliche Zusatzprüfung | sehr niedrige Temperatur, Flamme („F“), elektrische Isolierung | sehr hohe oder niedrige Temperatur, elektrische Isolierung, Metallspritzer, seitliche Verformung |
| Halt am Kopf | Nackenband oder Kinnriemen (Vorrichtung zum Halt erforderlich) | Kinnriemen sehr zu empfehlen |
| Ersetzt den anderen? | Nein, kein Ersatz für einen Schutzhelm | Ja, schützt auch vor Anstoßen |
Wann reicht eine Anstoßkappe?
Nur wenn die Gefährdungsbeurteilung zeigt, dass am Arbeitsplatz ausschließlich das Anstoßen an feststehende Gegenstände droht. Vor Auswahl und Benutzung von Kopfschutz muss der Arbeitgeber nach § 5 Arbeitsschutzgesetz eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und dokumentieren (§ 6). Die Regel stellt klar, dass Kopfschutz nur einen eingeschränkten Schutz bietet und die Gefährdungen deshalb genau ermittelt werden sollen. Bei der Auswahl muss der Kopfschutz nach § 2 der PSA-Benutzungsverordnung unter anderem Schutz vor den zu verhütenden Gefährdungen bieten, für die Arbeitsplatzbedingungen geeignet sein und dem Träger individuell passen.
Beispiele (nicht abschließend): Eine Anstoßkappe kann passen, wo man sich in niedrigen Kellern, Werkstätten oder Lagerbereichen leicht an Rohren oder Regalen anstößt. Sobald etwas herabfallen oder pendeln kann – etwa bei Arbeiten unter Gerüsten, unter Kranlasten oder an hohen Regalen –, ist ein Schutzhelm nötig.
Kappe oder Helm? Entscheidungshilfe
Was trifft an Ihrem Arbeitsplatz zu?
Orientierung nach DGUV Regel 112-193. Sie ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung. Maßgeblich sind die Herstellerinformation und die Vorgaben Ihres Unfallversicherungsträgers.
Woran erkenne ich eine geprüfte Anstoßkappe?
An der Kennzeichnung mit der Norm „EN 812“. Nach Tabelle 1 der Regel gehören bei Anstoßkappen zur verbindlichen Kennzeichnung die Nummer der Norm (EN 812), Name oder Zeichen des Herstellers, das Herstellungsdatum, die Typ- oder Modellbezeichnung, die Größe oder der Größenbereich sowie Zusatzinformationen nach der Norm (Etikett oder Schild). Optionale Eigenschaften werden zusätzlich gekennzeichnet: sehr niedrige Temperatur, elektrische Isolierung und – bei Anstoßkappen – die Flammenbeständigkeit mit einem „F“.
Wie lange kann man sie benutzen, und wann ersetzen?
Maßgeblich ist die Angabe des Herstellers; nach einem starken Aufprall gehört jeder Kopfschutz ausgetauscht. Die Regel unterscheidet zwischen Lebensdauer (vom Herstellungsdatum bis zum Verlust der Schutzfunktion durch Alterung) und Gebrauchsdauer (maximal mögliche Benutzungszeit). Beide hängen von Hersteller und Modell ab und stehen in der Anleitung. Die Empfehlung von vier Jahren Gebrauchsdauer in der Regel gilt für Industrieschutzhelme aus thermoplastischen Kunststoffen und nicht automatisch für Anstoßkappen.
Weist der Kopfschutz Beschädigungen auf, muss er ausgetauscht oder gegebenenfalls repariert werden; fehlende oder defekte Teile sind zu ersetzen. Jeder Kopfschutz, der einem starken Aufprall ausgesetzt war, sollte auch ohne erkennbare Beschädigung ausgetauscht werden. Bauliche Veränderungen (Anbohren, Ankleben) sind ausgeschlossen, und Zubehör darf nur angebracht werden, wenn der Hersteller es vorsieht.
Anstoßkappen und Schutzhelme im Shop
Aktuell bestellbar (Preise netto zzgl. MwSt., Ausführung und Normangaben stehen auf der Produktseite):
- Anstoßkappen nach EN 812: Portwest PW59, Portwest PW69 (belüftet), Portwest PW79 (langer Schirm)
- Schutzhelme nach EN 397: Portwest PS57, Portwest PS55 Endurance (belüftet), Portwest PS54 Endurance Plus (unbelüftet)
Alle Modelle finden Sie in der Kategorie Kopfschutz. Welche Variante für Ihren Arbeitsplatz passt, entscheidet die Gefährdungsbeurteilung; im Zweifel fragen Sie uns vor dem Kauf.
Häufige Fragen
Ersetzt eine Anstoßkappe einen Schutzhelm?
Nein. Anstoßkappen bieten keinen Schutz vor fallenden, kippenden oder wegfliegenden Gegenständen und vor sich bewegenden hängenden Lasten. Die DGUV Regel 112-193 sagt ausdrücklich, dass sie nicht als Ersatz für Schutzhelme eingesetzt werden können.
Wofür ist eine Anstoßkappe gedacht?
Für Arbeitsbereiche, in denen man mit dem Kopf gegen harte, feststehende Gegenstände stoßen kann, zum Beispiel gegen Rohre, Träger oder niedrige Decken – und in denen die Gefährdungsbeurteilung nichts anderes ergibt.
Muss ich eine Anstoßkappe tragen?
Das hängt vom Arbeitsplatz ab. Ob und welcher Kopfschutz nötig ist, legt der Arbeitgeber anhand der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz fest.
Woran erkenne ich, dass eine Anstoßkappe geprüft ist?
An der Kennzeichnung „EN 812“ mit Herstellername, Herstellungsdatum, Modell, Größe und den Zusatzinformationen nach Norm. Optionale Eigenschaften wie Flammenbeständigkeit sind gekennzeichnet („F“).
Wann muss ich eine Anstoßkappe ersetzen?
Bei Beschädigung, nach einem starken Aufprall (auch ohne sichtbaren Schaden) und nach Ablauf der vom Hersteller angegebenen Lebens- oder Gebrauchsdauer.
Quellen
- DGUV Regel 112-193 „Benutzung von Kopfschutz“, Ausgabe Mai 2025 – Kapitel 4.1 (Industrieschutzhelme), 4.6 (Industrie-Anstoßkappen), 7 (Gefährdungsbeurteilung), 8 (Auswahl), 9 (Benutzung, Lebens- und Gebrauchsdauer), Tabelle 1 (Kennzeichnung)
- PSA-Benutzungsverordnung § 2 und Arbeitsschutzgesetz § 5 – Auswahlkriterien und Gefährdungsbeurteilung (so auch in der DGUV Regel zitiert)
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Gefährdungsbeurteilung. Maßgeblich sind die Herstellerinformation des jeweiligen Kopfschutzes und die Vorgaben deines Unfallversicherungsträgers.
Weitere Ausrüstung für deinen Betrieb findest du in unserem PSA-Checker. Fragen zur Auswahl? Schreib an info@seculiq.de – Tom Zentgraf ist Fachkraft für Arbeitssicherheit.